Rückblende - Osteuropa


 Aktuelle Ereignisse verschwinden oft sehr schnell wieder aus den Schlagzeilen. -  Warum ?  

Weil sie von neueren Meldungen verdrängt werden.  -  Trotzdem sind viele davon es wert, dass man sich daran erinnert, weil man spätere Ereignisse oft nur dadurch richtig einschätzen kann.

Hier soll von Themen aus Osteuropa die Rede sein. 


                                Das letzte Opfer

 

Heute erreicht uns die Meldung aus Moskau, dass der kreml-kritische Oppositions-Politiker Boris Nemzow in der letzten Nacht auf offener Straße auf einer Brücke in Sichtweite des Kremls erschossen worden ist. 

Drei Stunden zuvor hat er noch in einem Interview beim Radiosenders "Moskauer Echo" den Kreml-Gnom wegen seiner Politik scharf kritisiert. 

 

Dieser lässt unschuldig verlauten, das Ganze sehe nach einem Auftragsmord aus !

Wieso, es sehe danach aus ?  Es ist ein Auftrags-Mord !  Er weiß es doch; er hat ihn doch selbst in Auftrag gegeben.

Na vielleicht hat er nicht direkt den Auftrag gegeben. Vielleicht hat er nur gesagt: Wann schafft mir endlich jemand den vom Hals ? 

Er nannte den Mord auch eine Provokation !  Wie ist das zu verstehen ?  Vielleicht wird er als nächstes behaupten, der Westen stecke hinter der Tat, um sie hinterher ihm (dem Kreml-Gnom) in die Schuhe zu schieben.  

Ist ja schon auch eigenartig, dass immer nur Regime-Gegner ums Leben kommen. Der böse Westen tut doch auch alles, um ihn den selbst-ernannten Saubermann anzuschwärzen !  

 

Wann wacht das russische Volk endlich auf und erkennt, von welchem Verbrecher es regiert wird ? 

Natürlich, viele auf dem flachen Lande können nur staatliche Radio- und Fernseh-Sender empfangen und unabhängige Zeitungen gibt es auch nur noch sehr wenige. Wie soll man sich so eine freie Meinung bilden ?  

 

Es sieht fast so aus, als ob ein europa-weiter Krieg unvermeidbar ist, bevor es gelingt diesen kleinen Satan auf den Müllhaufen der Geschichte zu schicken. 

Irgendwie hat man das Gefühl, die Geschichte wiederholt sich und wir befinden uns im Jahre 1938 .    (28.Feb.15) 

 

Der Kreml-Gnom hatte auch noch die Dreistigkeit, der Mutter des Ermordeten ein Beileids-Telegramm zu schicken. 

Inzwischen hat man - so ist aus Moskau zu hören - das Fluchtauto des Täters gefunden; mit ingoschetischem Kfz-Kennzeichen. Und gestern wurden der Welt im Fernsehen auch schon die angeblichen Täter präsentiert. Fünf Männer aus dem Nordkaukasus, zwei davon aus Tschetschenien, mit angeblichen islamistischem Hintergrund. Einer davon soll schon die Tat gestanden haben.

Sie wurden vorgeführt wie wilde Tiere, im Käfig oder im brutalen Polizei-Griff. Wahrscheinlich wissen die Betroffenen nicht einmal, weshalb man sie verhaftet hat. - Ja, wenn man Sündenböcke braucht, dann ist die russische Justiz nicht zimperlich.  Man braucht schnelle Fahndungs-Erfolge, um den bohrenden Fragen nach den Hintermännern den Boden zu entziehen. Das war doch damals nach dem Mord an Anna Politkovskaja ebenfalls so.    

Das Ganze ist einfach ekel-erregend !  

Und über allem steht die bange Frage: Wer wird das nächste Opfer sein ?                                        (9. März 15) 


Pseudo-Demokratie

 

Das grimmige Kreml-Würstchen hat eine neue Duma wählen lassen.  -  Ja, es legt Wert darauf, den demokratischen Anschein zu wahren und dazu gehört eben auch regelmäßig Wahlen abzuhalten. 

 

Aber sowas birgt auch Gefahren in sich. Das dumme Volk ist unzuverlässig und man weiß nie, ob das Stimmvieh nicht plötzlich eine andere als seine eigene Partei, das "Einige Russland " wählt. Deshalb sind gewisse Vorkehrungen nötig. So wurden die Zulassungs-Bedingungen zur Wahl schon letztes Mal so hoch-geschraubt, dass die kleineren Parteien gar keine Chance hatten.  Andere wiederum, wie z.B. die Partei des ehemaligen Schach-Weltmeisters Kasparow, wurden einfach verboten; eine Begründung hierzu hielt man nicht für notwendig. Naja, so ein Schach-Weltmeister ist ein intelligenter Mensch . . . und Intelligenz ist immer gefährlich !  

 

Da aber zu einer Demokratie immer mehrere politische Parteien gehören, wurden vom Kreml-Herscher flugs mehrere Schein-Parteien gegründet. Die muß man sich so ungefähr vorstellen, wie die Block-Parteien in der ehemaligen DDR. Die haben zwar keinen Wert und keinen eigenen Standpunkt, können aber nötigenfalls immer noch als Koalitions-Partner benutzt werden.  

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass nur die Partei des Kreml-Gnoms Werbung in den Medien machen durfte. 

So braucht es nicht zu verwundern, dass als einzige Oppositions-Partei die "Kommunistische Partei" in das Parlament einziehen konnte. 


Obwohl die Kreml-Gnom-Partei letztes Mal zwei Drittel der Stimmen einfahren konnte, war man sich anscheinend doch nicht so sicher. Deshalb wurde zusätzlich noch Wahl-Fälschung im großen Stil betrieben. Laut Berichten von internationalen Wahl-Beobachtern der OSZE - die übrigens vielfach auch massiv behindert wurden - sind ca. 7000 Beschwerden wegen Wahl-Betrug eingegangen. Wenn man dann noch bedenkt, dass in ländlichen Gegenden keine Wahl-Beobachter zugegen waren ... und sich dort wohl niemand traut, sich zu beschweren . . . 


Es gibt Berichte von Fällen (einer davon ist sogar durch ein Video dokumentiert), wo Wahl-Urnen angeliefert wurden, die bereits teilweise mit Wahlzetteln gefüllt waren. Auf einem versteckt aufgenommenen Video (von schräg hinten) konnte man sogar sehen, wie ein Wahl-Leiter (auf seinem durch einen Sichtschutz abgeschirmten Schreib-tisch) einen ganzen Stapel von Wahlzetteln ausfüllte. Der schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein. 


Trotz all diese Manipulationen bekam die Partei des Kreml-Gnoms nur 49,5 % der Stimmen. Das ist eine schallende Ohrfeige für ihn. Wieviel Prozent er bekommen hätte bei rechts-staatlichen Voraussetzungen, kann nur vermutet werden und könnte vielleicht bei etwa der Hälfte dessen liegen.  

Das russische Vok hat noch wenig Erfahrung mit der Demokratie und tendiert oft noch zu einem "starken Mann", der schon alles richten wird. Doch dieses Posten-Geschiebe, diese wiederholte "Rochade" zwischen dem Kreml-Gnom und seiner Marionette Medwedjew, geht sogar der duldsamen russischen Seele zu weit. 


Trotz dieser Wahl-Schlappe ist ein Ende der Macht dieses "Bonsay-Stalins" noch in weiter Ferne. Und er wird weiter alles tun, um Gegner und Kritiker schon im Vorfeld unschädlich zu machen. Die Liste derer, die seinetwegen im Gefängnis schmoren oder kurzum ermordet wurden, ist lang.                                                       (Dezember 11) 


Wie gestern in den Nachrichten zu hören war, hat sich Michail Gorbatschow zu Wort gemeldet und die Annullierung der Duma-Wahl und Neuwahlen gefordert . . . 

Leider genießt Gorbatschow in Russland nicht das große Vertrauen wie im Ausland. Das Volk hatte nach seiner Einführung von Glasnost und Perestroika eine schnelle Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erwartet. Als er das Unmögliche nicht leisten konnte, wandte sich das Volk enttäuscht von ihm ab und dem neuen Herrscher Jelzin zu.


Dieses Schlitzohr erlangte durch seine Jovalität das Vertrauen des Volkes, was er weidlich zur eigenen Bereicherung nützte. Danach suchte er lange nach einem geeigneten Nachfolger, der sein korruptes Verhalten zu decken bereit war . . . und er fand ihn in diesem kleinen Wurm, der seither das Land rücksichtslos regiert.   

Dieser gibt sich als der große Saubermann, der aber das Rad der Geschichte systematisch rückwärts dreht . . . 

und es gibt auch Hinweise, dass auch er sich maßlos selber bereichert. 


Hillary Clinton, die amerikanische Aussenministerin, hat inzwischen auch schon Kritik geübt an den undemokratischen Parlaments-Wahlen, was den Kreml-Gnom prompt dazu veranlasste, in Richtung Amerika zu giften. Sollten noch mehrere westliche Politiker dem amerikanischen Beispiel folgen, dann wird´s schwierig für unsere bundesdeutsche Brühwurst. Ob sie vielleicht doch besser auf Distanz gehen sollte, gegenüber ihrem seelen-verwandten Spezl im Kreml. 

Derweilen bereiten sich die Prügel-Truppen des Innenministeriums schon auf die angekündigten Groß-Demonstrationen vor. Nein, ich fürchte, es wird keinen "Russischen Frühling" nach dem Muster des "Arabischen Frühlings" geben. Der Wicht wird seine Macht mit allen Mitteln verteidigen . . . und ihm steht die ganze russische Armee zur Verfügung ! 

Trotzdem, es wird nicht mehr so einfach für ihn sein den demokratischen Schein zu wahren. Die Ablehnung gegen ihn in der Bevölkerung ist größer denn je zuvor. Die Forderung, eines "Russland ohne Putin", hätte sich vor einem Jahr noch niemand getraut öffentlich zu erheben.  -  Und der Westen schaut inzwischen genauer hin . . .   (Feb. 12) 


 

 

Text folgt !