Rückblende - Amerika


 

Aktuelle Ereignisse verschwinden oft sehr schnell wieder aus den Schlagzeilen. -  Warum ?

Weil sie von neueren Meldungen verdrängt werden.  -  Trotzdem sind viele davon es wert, dass man sich daran erinnert, weil man spätere Ereignisse oft nur dadurch richtig einschätzen kann.

Hier soll von Themen aus Amerika die Rede sein.


   Occupy Wallstreet


Lange schien es, als ob sich das Volk von den Banken alles gefallen ließe. Man murrte zwar über die Unverschämtheit der Banker, aber das war auch schon alles.  

Nun, nachdem uns erklärt wird, dass die Banken ein zweites Mal gerettet werden müssen (warum eigentlich ?), regt sich erstmals ernsthafter Widerstand. Und er begann ausgerechnet in den USA, wo bisher sogar die Ärmsten der Armen davon überzeugt waren, dass der Kapitalismus der einzige richtige Weg sei. 


Wie stehen nun die Chancen dieser neuen Protest-Bewegung ? 


Meine Meinung: Es muß vor allem eine Massen-Bewegung werden, sonst kann sie nicht erfolgreich sein. Es müssen sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mit dieser Bewegung solidarisieren, um sie von dem ihr noch an-haftenden Makel der Illegalität zu befreien. Und es müssen sich auch Politiker dieser Bewegung anschließen, die dann entsprechende Gesetzes-Vorlagen in die Parlamente einbringen . . . und als Gesetze verabschieden.

Und natürlich muß das in allen wichtigen Ländern der Welt geschehen, denn die Banken agieren ja auch global.

(Ob die dann ihre Finanzplätze nach Russland und China verlegen werden ?)

Natürlich wird unsere Bundes-Brühwurst, nachdem diese Bewegung erst mal ins Rollen gekommen ist, auch noch schnell auf den fahrenden Zug aufspringen. Deshalb sollte man doch sehr genau beobachten, wer aus Überzeugung mitmacht und wer nur deshalb, um an der Macht zu bleiben.   


Eine große Gefahr besteht jedoch, dass radikale Kräfte diese Protest-Bewegungen für ihre eigenen Zwecke nützen (wie bereits in Rom geschehen). Wie kann man dies verhindern ?

Die einzige Antwort erscheint mir: Absolute Transparenz !  -  Heutzutage hat doch fast jeder ein Foto-Handy. Die damit aufgenommenen Video-Clips sind geeignete Mittel, um aus der Menge heraus agierende Chaoten zu identifizieren. Vielleicht sollte die Polizei auch bereits bei den Demonstrationen mit-marschieren, um auftretende Vermummte sofort dingfest machen zu können.  Das setzt natürlich voraus, dass sich die Polizei-Führung - und auch jeder einzelne Polizist - darüber im klaren ist, welche Aufgabe sie zu erfüllen haben: Nämlich den Schutz der friedlichen Demonstranten, nicht deren Bekämpfung. 

Es bleibt zu hoffen, dass diese neue Bewegung nachhaltige Folgen hat und die Finanzwelt zukünftig an die Kandare genommen werden kann.  -  Bin ich zu optimistisch ?                                                                         (Oktober 11) 


Wie aus den neueren Nachrichten zu hören ist, geht die Polizei in den USA inzwischen hart gegen die Bewegung vor und hat z.B. in New York das Zeltlager im Central Park gewaltsam geräumt. Nun sieht so ein Zeltlager ja nicht gerade schön aus, aber wäre es nicht sinnvoller gewesen, den Protestierenden statt dessen Wohn-Container zur Verfügung zu stellen ?  Zelte sind im Winter ohnehin zu dürftig, um dort für längere Zeit auszuharren. 

Wohn-Container in der Wallstreet, direkt vor den protzigen Portalen der Banken, wären doch viel symbolischer gewesen. Und die Behörden könnten damit darstellen, dass sie auf der Seite der Bürger stehen. Aber so sieht es doch wieder sehr nach Klüngelei mit der Finanz-Mafia aus.                                                               (Dezember 11)  


Machtkampf 


Vor knapp drei Jahren haben sie ihn gewählt, Barrack Obama . . . und damit den ersten farbigen Präsidenten der USA. -  Ich war erstaunt; das hätte ich dem amerikanischen Volk gar nicht zugetraut.  

Aber die primitiven Elemente im Volk machen sogleich mobil. Da der neue Präsident nicht sofort - einem Messias gleich - mit sichtbaren Erfolgen glänzen konnte, machte sich erste Enttäuschung im Volke breit und bei den folgenden Kongress-Wahlen verlor er seine Mehrheit im Repräsentanten-Haus. 


Ab nun hatte die oppositionelle Republikanische Partei leichtes Spiel; sie betrieb fortan reine Blockade-Politik. Die von Obama mühsam durchgesetzte Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung wurde als Grund für die über-bordende Staats-Verschuldung gewertet. Dass Obama von seinem Vorgänger "George Dubble-you" zwei Kriege vererbt bekommen hat (Irak und Afghanistan) und dass dieser zu allem Übel noch den Super-Reichen die Steuern halbiert hatte, davon war nirgendwo die Rede.  

 

Obwohl das Land schon am Rande der Zahlungs-Unfähigkeit stand, verhinderten die Republikaner jegliche, auch nur geringe Wieder-Anhebung der Steuern für Super-Reiche. Und deren rechts-lastigen Elemente, insbesonders die derzeit sehr erfolgreiche "Tea Party", ist kein Mittel zu primitiv, um gegen den Präsidenten zu hetzen. So wird er z.B. ganz unverhohlen als "Nigger" beschimpft, ohne Rücksicht darauf, dass ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung negriden Ursprungs ist. 

Die beiden Gallions-Figuren der "Tea Party", Michele Bachmann und Sarah Palin scheuen auch nicht davor zurück, die zerstörerischen Hurrikans der letzten Jahre als Strafe Gottes zu bezeichnen, dafür, dass die Bürger Obama zum Präsidenten gewählt haben.  

(Sahrah Palin ist uns noch in zweifelhafter Erinnerung als angedachte Vize-Präsidentin des Präsidentschafts-Kandidaten John McCain. Diese wirklich brunz-dumme Person, die sich sogar stolz beim Schießen mit einem Schnellfeuer-Gewehr filmen ließ, als Vize-Präsidentin einer Weltmacht ?  -  Gott bewahre !  

"George Dubble-you" hat uns gereicht ! )

Das Ziel dieser primitiven Elemente ist ganz klar:  Zerstören !  -  Jeglichen Erfolg von Präsident Obama verhindern !

Auch wenn dabei die Wirtschaft und das ganze Land vor die Hunde geht.  -  Egal !  -  Nur um das alles dann Obama anlasten zu können. Weiter denken diese Primitivlinge nicht.  

 

Nun hat Obama endlich seine vornehme Zurückhaltung aufgegeben. "Schluss mit dem Polit-Zirkus" forderte er bei der Vorstellung seines neuen Konjuktur-Programms über 450 Mrd. Dollar. Und er hat damit gedroht, jene Kräfte als Blockierer zu brandmarken und diese Nachricht "bis in die letzten Winkel des Landes" zu verbreiten. 

Tea Party & Co halten die Luft an. -  Noch war keine Reaktion von ihnen zu hören. 

Es zeigt sich, dies ist die einzige Sprache die sie verstehen. Vielleicht kapieren jetzt doch einige von ihnen, dass ihr Verhalten zum Bumerang werden könnte . . .                                                                                   (September 11) 


  Whistle Blower 


Bradley Manning . . . so heisst er, ein junger US-Soldat. Seit 7 Monaten sitzt er in einem Militär-Gefängnis in Einzelhaft, ohne dass bisher Anklage gegen ihn erhoben wurde. 

23 Stunden am Tag muß er in einer fensterlosen Zelle verbringen. Eine Stunde darf er - an Händen und Füßen mit Ketten gefesselt - in einem kahlen Raum im Kreis gehen. 


Was hat dieser junge Mann Schlimmes verbrochen ?  -  Er hat den Medien ein Video zugespielt ! 


Dieses Video - aufgenommen durch die Ziel-Einrichtung eines Kampf-Hubschraubers - zeigt einen fast menschen-leeren Platz in Bagdad. In der Mitte des Platzes stehen ein paar Männer, die sich miteinander unterhalten. Zwei davon haben Kameras bei sich. Wie sich später heraus-stellte, waren sie ausländische Foto-Reporter. 


Die Besatzung des Hubschraubers hält die Kameras für Waffen . . . und sie feuern . . . solange bis alle Menschen regungslos am Boden liegen. "Hach, we got ém !" hört man die Besatzung danach erfreut jubeln. - Doch dort drüben vor der Stufe eines Hauses, da regt sich noch etwas. Ein Mann, offensichtlich schwer verletzt, windet sich im Staub und versucht vergeblich sich aufzurichten. Die Ziel-Einrichtung nimmt ihn ins Visier . . . und hält ihn im Visier über eine unheimlich lang erscheinende Zeit. Man kann richtig fühlen, dass sich die Besatzung an dem Anblick weidet . . . 

Kurz darauf kommt ein Klein-Transporter angefahren. Der Fahrer springt aus dem Auto, reisst die Seitentüre auf und eilt zu dem Verletzten. Hinten im Auto sitzen zwei Kinder. Die Hubschrauber-Besatzung erbittet über Funk Schieß-Erlaubnis von der Einsatz-Leitung ... mehrmals ... immer dringender. -  Der Fahrer und ein hinzu-gekommener Mann tragen den Verletzten um das Auto herum zur Seitentüre. -  Da kommt die Schieß-Erlaubnis ! 


Im Stakkato der MG-Salven brechen die Männer zusammen. Danach rührt sich nichts mehr. Als die Besatzung erkennt, dass das Kinder in dem Transporter sind, kann man eine zynische Stimme hören: "Sind doch selber schuld, wenn sie Kinder mit in die Schlacht nehmen".


Bald darauf kommt der alarmierte Bodentrupp an. Ein GI holt ein Kind, ein Mädchen, aus dem Fahrzeug und trägt es im Laufschritt hinüber zum Militär-Fahrzeug. Nach eigenen Angaben (er wurde später interviewt) pickte er eigenhändig Glassplitter aus den Augen des Kindes, damit es sich nicht durch seinen Wimpernschlag noch mehr verletzt. Danach holte er auch den Knaben aus dem Auto. Dafür wurde der Soldat von seinem Vorgesetzten angeherrscht, er solle endlich aufhören sich um die Kinder zu kümmern, sondern seiner Aufgabe nachkommen den Platz zu sichern.      


Inzwischen hat dieses Video die Gemüter im ganzen Lande erhitzt. Auf allen Talkshows Land auf, Land ab, geifern sowohl Talkmaster wie Talkgäste. Aber nicht etwa über die Hubschrauber.Besatzung, nein, über den Soldaten Bradley Manning. " .... das ist ein Verbrecher ... das ist Hochverrat ... der beschmutzt die Ehre unseres Landes ...

der sollte hingerichtet werden ... nein, hinrichten ist noch viel zu gut für den ... "


Auf Nachfrage teilte das Pentagon mit, dass es die Haftbedingungen als "angemessen" betrachtet. Er bekomme vier Stunden Schlaf am Tag und es sei keine Beeinträchtigung seiner körperlichen Konstitution feststellbar.


Mir ist zum Kotzen zumute . . . Ich vermisse ein Machtwort von Präsident Obama . . .

Und ich vermisse ein Angebot auf politisches Asyl von der deutschen Regierung an diesen jungen aufrechten Soldaten . . .                                                                                                                                           (Februar 11)   


Wahl-Morgen 


An jenem November-Morgen 2004, nach den Wahlen in den USA, bin ich sehr früh aufgestanden und habe die Wahl-Berichterstattung auf dem Sender CNN verfolgt. Ich hoffte, dass der amerikanische Wähler der Karriere des Öl-Cowboys ein Ende bereiten würde. 

Es war wirklich unheimlich spannend. Erst hatte Bush einigen Vorsprung, aber mit dem Eintreffen der Ergebnisse aus den vielen Bundesstaaten (es gibt ja 50 derer) schmolz der Vorsprung zusammen. Und als der bevölkerungs-reichste Staat Kalifornien an John Kerry fiel, hatte sich das Blatt gewendet. In der Folge war es ein absolutes Kopf-an-Kopf-Rennen. -  Das Ende ist bekannt: Nur weil Bush in Idaho einige Stimmen mehr bekam, durfte dieser Stümper letztlich weiter im Weißen Haus bleiben. 


Sehr bemerkenswert waren die Ergebnisse der einzelnen Staaten. Da gab es eine Menge von Staaten, mindestens ein Dutzend, in denen es 51 zu 49 % für den einen oder anderen Kandidaten stand. In anderen Staaten fiel die Differenz größer aus, etwa 60 zu 40 oder auch mal 75 zu 25 %.

Aber nur ein Ergebnis fiel vollkommen aus dem Rahmen; das aus dem District Columbia (das ist das exterritoriale Gebiet um die Bundes-Hauptstadt Washington). Hier lautete das Ergebnis 91 zu 9 % für - man höre und staune - John Kerry !   

Das heisst im Klartext: Die ganzen Bundes-Beamten, also die direkten Untergebenen des Präsidenten, haben den Gegen-Kandidaten gewählt !  -  Warum ?  -  Weil sie ihn (Bush) besser kennen, als das übrige Volk es tut.

Das war ein vernichtendes Urteil ! !

Hätte er nur einen Funken Anstand gehabt, dann hätte er dieses Zeichen zum Anlass genommen, seinem Gegner den Präsidenten-Stuhl zu überlassen.


Ich fand John Kerry sympathisch. Er hat ein markiges, aber ehrliches Gesicht. Er wäre ein würdiger Nachfolger von Bill Clinton gewesen. Aber vielleicht hat die Welt 2008 mehr Glück und Hillary Clinton schafft es auf den Präsidenten-Stuhl.  Es wäre ihr, den Bürgern der USA und uns allen zu wünschen.                        (März 2006)